Doulas in Deutschland: Aktuelle Situation
Der Beruf der Doula hat sich in Deutschland in den letzten zehn Jahren von einer Nische zu einer ernstzunehmenden Bewegung entwickelt. Was vor zwei Jahrzehnten noch Erklärungen erforderte („Was ist eine Doula?"), wird heute von immer mehr Schwangeren aktiv gesucht. Google-Suchanfragen nach „Doula" sind seit 2015 um über 300 Prozent gestiegen. In Großstädten gibt es Wartelisten, und selbst in kleineren Städten wächst die Nachfrage.
Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen. Der anhaltende Hebammenmangel in Deutschland führt dazu, dass viele Frauen keine durchgehende 1:1-Betreuung unter der Geburt erhalten. Im Kreißsaal betreut eine Hebamme oft zwei, drei oder sogar mehr Gebärende gleichzeitig. In dieser Situation suchen Familien nach zusätzlicher Unterstützung, die ihnen die emotionale Sicherheit gibt, die sie sich wünschen.
Gleichzeitig hat sich das Bewusstsein für selbstbestimmte Geburt verändert. Frauen informieren sich intensiver, stellen Fragen, fordern Mitsprache und suchen nach Begleiterinnen, die ihre Wünsche kennen und vertreten. Podcasts wie „Die Friedliche Geburt", Social-Media-Accounts und Bücher haben das Thema in den Mainstream gebracht. Doulas sind längst nicht mehr ein Luxus für eine kleine Elite, sondern eine bewusste Entscheidung vieler Familien.
Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung paradoxerweise beschleunigt. Während Partner zeitweise von der Geburt ausgeschlossen wurden, erkannten viele Frauen den Wert einer konstanten Bezugsperson. Doulas, die bereits als medizinische Begleitpersonen anerkannt waren, konnten in vielen Kliniken weiterhin anwesend sein. Dieses Erlebnis hat bei vielen Familien einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Rechtliche Lage
In Deutschland ist „Doula" kein geschützter Beruf. Es gibt keine staatliche Berufsanerkennung, keine Approbation und kein Gesetz, das regelt, wer sich Doula nennen darf. Das unterscheidet den Beruf grundlegend von dem der Hebamme, die eine staatlich geregelte Ausbildung (seit 2020 als duales Studium) und eine Berufszulassung benötigt.
Diese fehlende Regulierung hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite bedeutet sie niedrige Einstiegshürden: Du brauchst keine jahrelange Ausbildung, keine staatliche Prüfung und keine Zulassung, um als Doula zu arbeiten. Auf der anderen Seite fehlt es dadurch an einheitlichen Qualitätsstandards. Theoretisch kann sich jede Person Doula nennen, auch ohne jede Ausbildung.
Genau deshalb ist eine qualifizierte Ausbildung so wichtig. Sie ist zwar rechtlich nicht vorgeschrieben, aber sie ist dein stärkstes Argument gegenüber Klientinnen, Kliniken und Kooperationspartnerinnen. Familien wollen wissen, dass ihre Doula fundiertes Wissen über Geburtsprozesse, Komplikationen, Schmerzmanagement und postpartale Betreuung hat. Eine Zertifizierung, insbesondere eine internationale wie die IPHM-Zertifizierung, gibt ihnen diese Sicherheit.
Steuerrechtlich arbeitest du als Doula in der Regel als Freiberuflerin oder Gewerbetreibende. Die Einordnung hängt vom Finanzamt ab. Viele Doulas melden ein Gewerbe an, manche werden als freiberuflich eingestuft. In beiden Fällen brauchst du eine Steuernummer und musst deine Einnahmen versteuern. Bis zu einem Jahresumsatz von 22.000 Euro kannst du die Kleinunternehmerregelung nutzen und bist von der Umsatzsteuer befreit.
Ein wichtiger Punkt: Doulas dürfen keine medizinischen Leistungen erbringen. Du darfst keine Diagnosen stellen, keine Untersuchungen durchführen und keine medizinischen Entscheidungen treffen. Deine Arbeit ist emotionale, psychologische und informationelle Unterstützung. Die klare Abgrenzung zur Hebamme ist nicht nur rechtlich geboten, sondern auch professionell sinnvoll: Du ergänzt die medizinische Betreuung, du ersetzt sie nicht.
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Die Nachfrage nach Doulas in Deutschland übersteigt das Angebot deutlich, insbesondere in urbanen Regionen. In Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt berichten Doulas von Wartelisten, die teilweise Monate im Voraus gefüllt sind. Viele Familien buchen ihre Doula bereits im ersten Trimester, weil sie wissen, dass die Plätze begrenzt sind.
Diese Situation schafft hervorragende Berufschancen für neue Doulas. Wer sich gut positioniert, ein professionelles Auftreten hat und über eine anerkannte Ausbildung verfügt, findet in den meisten Regionen schnell Klientinnen. Gerade in mittelgroßen Städten (100.000 bis 500.000 Einwohner) gibt es oft nur wenige Doulas, sodass der Markt noch viel Raum bietet.
Die demografische Entwicklung spielt ebenfalls eine Rolle. Obwohl die Geburtenrate in Deutschland insgesamt leicht rückläufig ist, steigt der Anteil der Frauen, die eine individuelle Betreuung wünschen. Die Zielgruppe wächst also nicht durch mehr Geburten, sondern durch ein verändertes Bewusstsein. Ältere Erstgebärende (ab 30), Akademikerinnen und Familien mit höherem Einkommen sind besonders häufig bereit, in eine Doula zu investieren.
Auch die Nachfrage nach spezialisierten Doula-Angeboten steigt: Regenbogenfamilien, Alleinerziehende, Frauen mit Geburtsangst oder traumatischen Vorerfahrungen, Familien mit Migrationshintergrund. Diese Nischen bieten dir die Möglichkeit, dich zu spezialisieren und eine klare Zielgruppe anzusprechen.
Verbände und Netzwerke
In Deutschland gibt es mehrere Verbände und Netzwerke, die Doulas zusammenbringen, Qualitätsstandards setzen und die öffentliche Wahrnehmung stärken:
Doulas in Deutschland e.V. (DiD) ist der bekannteste Verband. Er bietet eine Doula-Verzeichnis-Suche, unterstützt bei der Vernetzung und setzt sich für die Anerkennung des Berufs ein. Die Mitgliedschaft steht allen ausgebildeten Doulas offen.
Die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG) ist eine der ältesten Organisationen im Bereich Geburtskultur in Deutschland. Sie bietet Weiterbildungen an und vertritt die Interessen von Doulas, Geburtsvorbereiterlnnen und Familienbegleiterinnen.
Das SULIA Netzwerk verbindet Absolventinnen der SULIA Akademie deutschlandweit. Als Absolventin erhältst du Zugang zu einer aktiven Community, kannst dich austauschen, gegenseitig vertreten und gemeinsame Projekte starten. Dieses Netzwerk ist besonders wertvoll, weil es nicht nur fachlichen Austausch bietet, sondern auch emotionale Unterstützung in einem Beruf, der intensiv und manchmal belastend sein kann.
Darüber hinaus gibt es lokale Netzwerke und Stammtische in vielen Städten. In Berlin, München, Hamburg und Köln treffen sich Doulas regelmäßig zum Austausch. Diese Treffen sind ideal, um Kontakte zu knüpfen, von erfahrenen Kolleginnen zu lernen und sich in der lokalen Geburtsszene zu vernetzen.
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Erfahre mehr über das SULIA Netzwerk für Absolventinnen →Doula vs. Beleghebamme
Im deutschen Gesundheitssystem hat die Hebamme eine klar definierte Rolle: Sie ist die medizinische Fachperson für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Jede Frau hat in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Hebammenhilfe, und die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Eine Beleghebamme begleitet dich als feste Bezugsperson durch die gesamte Schwangerschaft und ist bei der Geburt anwesend, egal zu welcher Uhrzeit.
Das Problem: Es gibt nicht genug Beleghebammen. In vielen Regionen Deutschlands ist es nahezu unmöglich, eine Beleghebamme zu finden. Die Gründe sind vielfältig: steigende Versicherungsprämien, unattraktive Arbeitsbedingungen, mangelnder Nachwuchs. Viele Frauen stehen vor der Wahl, ohne persönliche Hebamme ins Krankenhaus zu gehen und dort von der diensthabenden Hebamme betreut zu werden, die sie vorher noch nie gesehen hat.
Genau hier kommt die Doula ins Spiel. Sie ersetzt die Hebamme nicht, sie ergänzt sie. Die Doula übernimmt die emotionale Begleitung, während die Hebamme die medizinische Betreuung sicherstellt. In der Praxis sieht das so aus: Die Doula ist oft schon Stunden vor der Hebamme bei der Gebärenden, begleitet sie durch die frühen Wehen, sorgt für eine ruhige Atmosphäre und unterstützt mit Atem- und Entspannungstechniken. Wenn die Hebamme dazukommt, arbeiten beide Hand in Hand.
Die meisten Hebammen schätzen die Zusammenarbeit mit Doulas, weil sie ihnen den Rücken freihält. Statt sich um das emotionale Wohlbefinden der Gebärenden kümmern zu müssen, können sie sich auf die medizinischen Aspekte konzentrieren. Konflikte entstehen nur selten und meist dann, wenn Rollen nicht klar abgegrenzt sind. Deshalb ist es wichtig, dass du als Doula deine Grenzen kennst und kommunizierst.
Doula in Österreich und der Schweiz
Der DACH-Raum bietet unterschiedliche Rahmenbedingungen für Doulas. Ein kurzer Vergleich:
Österreich: Auch hier ist die Doula kein geschützter Beruf. Die Situation ähnelt der in Deutschland, wobei Wien als Markt besonders aktiv ist. Die Österreichische Gesellschaft für Doulas bietet Vernetzung und Qualitätsstandards. Die Nachfrage wächst, vor allem in Wien, Graz und Salzburg. Die Honorare liegen vergleichbar mit Deutschland bei 500 bis 1.200 Euro pro Geburt.
Schweiz: Die Schweiz hat ein besonderes Modell. Hebammen haben hier eine sehr starke Stellung, und Hausgeburten sind verbreiteter als in Deutschland. Doulas arbeiten hier oft in enger Kooperation mit freipraktizierenden Hebammen. Das höhere Preisniveau führt zu Honoraren von 1.000 bis 2.500 CHF pro Geburt. Zudem erstatten einige Schweizer Zusatzversicherungen Doula-Leistungen, was die Nachfrage stützt. Die Schweiz kann damit als Vorbild für die Entwicklung in Deutschland dienen.
Niederlande: Obwohl nicht Teil des DACH-Raums, sind die Niederlande für Doulas besonders interessant. Hier sind Doulas (kraamverzorgster) fester Bestandteil des Geburtshilfesystems. Jede Familie hat Anspruch auf eine Wochenbettbetreuerin, deren Kosten von der Versicherung übernommen werden. Dieses Modell zeigt, wohin die Entwicklung auch in Deutschland gehen könnte.
Für Doulas aus Deutschland bieten sich im gesamten DACH-Raum Möglichkeiten. Mit einer Online-Präsenz und der Bereitschaft zu reisen kannst du Familien in mehreren Ländern betreuen. Eine internationale Zertifizierung wie die IPHM-Zertifizierung der SULIA Akademie ist dabei ein entscheidender Vorteil, weil sie länderübergreifend anerkannt wird.
